Glück – ich doch nicht!

Oh Mann! Alle reden davon glücklich zu sein. Happiness. Das gibt es eh nicht. Wer sagt, dass er glücklich ist oder ein glückliches Leben hat, lügt doch. Es gibt doch immer Dinge, die keinen Spaß machen. Dinge, die man tun muss. Und glücklich sein, wenn man Dinge tun muss oder keinen Spaß dabei hat, geht nicht!

Basta. So hab‘ ich gedacht. Ich hielt lange Zeit, viele Jahre sogar, Zufriedenheit für das höchste Gut in meinem Leben. Und eigentlich auch in jedermanns Leben.
Denn das war mir bewusst: rein objektiv betrachtet, habe ich keinen Grund zu klagen. Ausreichend Geld, immer ein paar Freunde, einen guten Partner, gut geratene Kinder, einen sicheren Job, ein eigenes Haus, immer ein Auto vorm Haus… Ich hatte viele viele Gründe zufrieden zu sein.

Aber dafür musste ich einiges tun. Und das war zu viel, das ich musste: Arbeiten. Für die Kinder da sein. Meinem Mann zuhören. Haus putzen. Auto volltanken. Einkaufen gehen. Wäsche waschen. Den Garten herrichten. … Einiges davon, das keinen Spaß macht. So viel, dass mehr Pflicht als Lust war. Nie Zeit für mich. Keine Zeit für Kreatives. Gleichzeitig meinte ich nicht sagen zu dürfen, wenn es mir mal nicht so sehr gut ging. Schließlich hatte ich doch alles, wonach andere sich sehnen.

Nein, glücklich war ich nicht.

Oder doch?

Heute habe ich all das auch, was ich damals schon hatte: Auto, Haus, Kinder, Mann, Garten, Haushalt. 

Und doch ist heute etwas anders. Tief in meinem Innern spüre ich, dass alles richtig ist, so wie es ist. Ich spüre regelmäßig dieses Kribbeln, das vom Bauch ins Herz geht. Und andersrum. Ich erlebe viele Momente, in denen ich wahrnehme, was ich sehe, höre und erlebe. Und diese Wahrnehmung geht tiefer als Sehen, Hören und Erleben. Diese Wahrnehmung ist bewusst. Mit wachem Verstand. Und aufgeweckten Sinnen. Diese Momente sind gefüllt mit Leichtigkeit und Freude.

Und diese Leichtigkeit und Freude wirken nach. Wenn das Kribbeln weg ist, spüre ich, dass alles leichter ist als vor Jahren und alles macht mehr Freude. Auch die Pflichten. Auch das, was ich „muss.“

Heute bin ich glücklich. Und ich nehme es wahr. Regelmäßig und ganz tief.