Vertrauen ist gut

Dass Vertrauen gut und wichtig und richtig ist, weiß ich. Wusste ich schon lange. Aber wenn ich verantwortlich bin dafür, dass die Zahlen stimmen, dass Präsentation läuft und dass das Projekt pünktlich ist, dann mach ich es lieber selbst.

Das war für mich der riesen Vorteil vom reinen „Mitarbeitersein.“ Keine Pflichten außer meine Aufgaben zu erfüllen. So lange mein Chef mir freie Hand ließ, lief alles prima.

Kontrolle ist besser?

Und dann wurde ich Führungskraft. Plötzlich hatte ich noch viel mehr Aufgaben. Und einige, von denen ich nichts verstanden habe. Ich wollte bei meinen Mitarbeitern hospitieren, damit ich weiß, wie deren Jobs gehen. Ich wollte bescheid wissen. Und im Zweifel wollte ich es besser machen können. Anders machen können. So war ich schon immer.

Meine Mitarbeiter waren zum Glück ehrlich und wünschten sich, dass sie mich in ihre Themen einarbeiten, statt dass ich mich neben sie setzte. Sie würden sich beobachtet fühlen.

Ich ging darauf ein und ließ mich in regelmäßigen Sitzungen einarbeiten. Sie zeigten mir, welchen Teil ihrer Arbeit ich können müsste, damit ich sie im Falle eines Falles vertreten könnte. Sie erklärten mir, wir ihre Themen mit denen des restlichen Geschäftsbereiches zusammenhingen, damit ich mich auf Managementebene auch sinnvoll für sie einsetzen konnte. Sie stellten mich den Kollegen vor, die mich, sollte ich mal auf mich allein gestellt vorfinden, unterstützen könnten.

Vertrauen wächst und gewinnt

So baute sich mein Vertrauen auf, dass ich gewissenhafte Experten ihres Aufgabenbereiches in meinem Team hatte. Und doch wollte ich Anfangs prüfen, was bei ihnen läuft. So saßen wir regelmäßig zusammen. Meine Teammitglieder berichteten mir, ich ihnen.

Und irgendwie hatte ich das Gefühl, ich kann im Aufgabenfeld meiner Mitarbeiter keinen Beitrag leisten, der von ihnen als Mehrwert wahrgenommen wird. Die Kontrolle erübrigte sich daher.

In diesem Moment lernte ich, dass ich als Führungskraft nicht Experte für das Thema sein muss, das ich verantworte. Meine Mitarbeiter müssen Experten ihres Verantwortungsbereiches sein.  Meine Aufgabe war, wenn nicht alltägliche Dinge geklärt oder entschieden werden mussten, die richtigen Fragen zu stellen, eine Empfehlung zu entwickeln und ggf. die Entscheidung zu eskalieren.

Ich lernte, dass Vertrauen wächst. Es wächst aus mehreren Gründen: zum Einen, weil ich erkenne, dass andere etwas viel besser können und damit auch tun sollten. Zum anderen, weil die Zeit zeigt, dass die Aufgaben auch ohne mein aktives Mitmischen und Kontrollieren gut erledigt werden. Außerdem, weil meine Mitarbeiter im Falle von Fragen, Klärungsbedarf oder Eskalationen auf mich zukamen und wir vor Eintreten einer großen Dramatik Lösungen finden konnten. So hatten wir das am Anfang unserer Zusammenarbeit nämlich besprochen.