Ich mag keine Ferien.

Ferien sind für mich eine schwere Zeit. Ich fühle mich manchmal hilflos, wie ich meine Kinder in Laune halten soll. Dabei ist der Alltag mit ihnen zu Schulzeiten ziemlich entspannt.

In den Ferien schlafen die Kinder gern aus und gehen gern spät ins Bett. Ausflüge sind ihnen ein Graus. Ein Kind hasst Autofahren, das andere liebt es einfach zu Hause zu sein. Planlos zu Hause zu sein.

Ich bin dann genervt. Mich zieht es raus. Ich liebe kleine Ausflüge in die Umgebung. Ich laufe gern auf Gipfel und genieße die Aussicht. Ich schlendere gern durch Städte und schau mir (ebenfalls planlos) Gebäude an. Ich mag es an Waldseen zu liegen und von der Sonne gewärmt den Tag vorbeiplätschern zu lassen.

Und diese Interessen lassen sich nicht überein bringen. Dann gibt es schlechte Laune und jeden Tag den gleichen Ablauf: Ausschlafen, Planlose Zeit zu Hause, Essen, 1x wenigstens kurz raus, spät ins Bett.

Und jetzt das. 3 Wochen Schulschließung. Plus 2 Wochen Ferien.

Ich mag keine Schulschließung.

Am Wochenende sah ich das Szenario vor mir: Meine Kinder schlafen aus, wollen spät ins Bett. Sie verweigern sich ihren Hausaufgaben und sind überzeugt Ferien zu haben. Sie fordern vernünftiges Essen und beschweren sich über das, was ich auf den Tisch stelle.

Und dann hatte ich üble Laune. War besorgt. Habe schnell geschimpft. Befehle verteilt. „Räum auf.“ „Hör auf.“ „Fang an.“ Oh Mann. Ich konnte mich selbst nicht mehr hören. Ich fand mich selbst ätzend.

Und dann kam der andere Blick.

Heute kam eine andere Mutter auf mich zu und sagte, wie toll es wäre, dass jetzt so lange unerwartete Ferien wären. WAS? Ferien? Ich habe entgegnet, dass es das für mich nicht wäre. „Ach, warum?“ war ihre Reaktion. Dann unterhielten wir uns eine Weile über unsere Wahrnehmung der Schulschließung.

Und im Nachhinein wurde ich ruhig. Plötzlich war mein Stress wegen der von mir erwarteten Situation weg. Die Mutter hatte mir einen neuen Blick eröffnet: Die Schulschließungen schenken uns viel viel Familienzeit. Schöne Familienzeit!

Schulschließung als Führungsseminar.

Und damit es das wird, werde ich jetzt zur Führungskraft unserer Familie: Ich gebe einen Rahmen vor, innerhalb dessen meine Kinder sich bewegen können. Aufstehen spätestens 8.00 Uhr. Ins Bett 20.00 Uhr. Vormittags 1 Stunde Schule und am Nachmittag auch. Zwischendurch Spielzeit, Spaziergänge und ein gemeinsam abgestimmtes und gemeinsam gekochtes Mittagessen.

Details, die den Rahmen füllen, besprechen wir. Die Kinder sollen sagen, wenn sie Hilfe brauchen. Ich erlaube mir aber auch zu sagen, was ich an Schulaufgaben kontrollieren möchte. Die Kinder dürfen äußern, was sie in den nächsten Wochen mal tun möchten, wofür sonst die Zeit fehlt. Und ich entscheide im Gespräch mit ihnen, was davon möglich ist.

Ansonsten gibt es Regeln des Zusammenlebens, die wir leben möchten, damit der Haussegen gerade hängen bleibt. Und diese Regeln sollten wir regelmäßig überprüfen und bei Bedarf adjustieren. Gemeinsam. Und dann sind sie auch verbindlich für uns alle.

Alles Dinge, die eine Führungskraft im Berufsalltag mit ihren Mitarbeitern auch machen kann.